Nierenbeckenentzündung – eine der häufigsten Nierenerkrankungen

Wenn die Nierenbecken akut oder chronisch entzündet sind

Das Nierenbecken bildet einen Hohlraum in der Niere und dient als Auffangbecken für den Urin, der durch die Sammelrohre aus den Nieren fließt. Von dort wird der Urin über die Harnleiter in die Harnblase transportiert. Wenn eine Blasenentzündung nicht oder erst spät medizinisch behandelt wird, können Bakterien aus den unteren Harnwegen in das Nierenbecken wandern. Deshalb ist dieser trichterförmige Teil der Niere für Entzündungen anfällig. Man spricht dann von einer Nierenbeckenentzündung (Pyelitis, Pyelonephritis), einer häufig vorkommenden Komplikation der Blasenentzündung. Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger als Männer betroffen. Sie kann akut oder chronisch auftreten.

Symptome, Ursachen und Diagnose einer Nierenbeckenentzündung

Symptome

Die Entzündung des Nierenbeckens kann je nach Verlaufsform in akut oder chronisch unterteilt werden. Die Symptome können einseitig oder beidseitig sein. Viele Patienten haben zusätzlich oder bereits vor Beginn der Nierenbeckenentzündung mit einer Blasenentzündung zu tun, die mit Schmerzen beim Wasserlassen und häufigen Gängen zur Toilette einhergeht. Die Symptome einer akuten Nierenbeckenentzündung treten plötzlich auf und Betroffene fühlen sich richtig krank. Zu den charakteristischen Beschwerden einer Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis) zählen hohes Fieber, sowie heftige Schmerzen im Bereich der Flanke, die bis in das Becken ausstrahlen können. Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen, sowie häufiges Wasserlassen einhergehend mit Brennen und Schmerzen können ebenfalls auftreten. Bei einer chronischen Nierenbeckenentzündung klagen Betroffene über uncharakteristische Symptome, wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Rückenschmerzen und Appetitlosigkeit. Zusätzlich können die Symptome, die für eine akute Nierenbeckenentzündung charakteristisch sind, in Schüben auftreten. 

Ursachen & Krankheitserreger

Ursache einer Nierenbeckenentzündung sind meistens Bakterien, die aus dem unteren Harntrakt in das Nierenbecken wandern. Hierunter fallen die aus dem Darm stammenden Erreger: Escherichia coli (E. coli). Besonders durch einen nicht ausreichend behandelten, verschleppten Harnwegsinfekt der unteren Harnwege, können die auslösenden Bakterien eine Infektion des Nierenbeckens hervorrufen. Ein gestörter oder zu geringer Harnabfluss kann die vermehrte Ansiedelung von Bakterien begünstigen, was wiederum Entzündungen in der auskleidenden Schleimhaut des Nierenbeckens auslösen kann. Ursächlich hierfür sind meist Fehlbildungen des harnableitenden Systems sowie Engstellen oder Abflussbehinderungen, die z.B. durch Nierensteine verursacht werden.

Risikogruppen

Frauen sind aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre häufiger sowohl von einer Nierenbeckenentzündung als auch von einer Harnwegsentzündung, bzw. Blasenentzündung betroffen als Männer. Zu den begünstigenden Faktoren einer Nierenbeckenentzündung können sowohl ein geschwächtes Immunsystem als auch das Tragen eines Blasenkatheters zählen. Auch Verengungen der ableitenden Harnwege erhöhen das Risiko einer Pyelonephritis. Bei einer Schwangerschaft kann es zu einer Verengung der ableitenden Harnwege kommen, aber auch z. B. durch Nierensteine oder Tumore. Bei Männern kann eine vergrößerte Prostata den Harnabfluss stören, weshalb besonders ältere Männer das Risiko eines Harnwegsinfekts, bzw. auch einer Nierenbeckenentzündung tragen.

Diagnose

Der behandelnde Arzt fragt bei der Anamnese zunächst nach den Symptomen und möglichen Vorerkrankungen, wie z. B. einer Blasenentzündung, um die Diagnose einer Nierenbeckenentzündung stellen zu können. Er prüft unter anderem, ob das Beklopfen der Flankengegend schmerzhaft ist. Eine Untersuchung der Blutwerte liefert dann weitere Aufschlüsse. Am wichtigsten für die Diagnose einer Nierenbeckenentzündung sind jedoch die Urinwerte: Per Teststreifen lässt sich feststellen, ob die Anzahl der Bakterien im Urin erhöht ist und zu viele weiße Blutkörperchen vorkommen, was auf eine Entzündung der Harnwege hinweist. Im weiteren Verlauf wird die genaue Art des Erregers im Labor untersucht. Bei einer Ultraschalluntersuchung der Nieren lassen sich gegebenenfalls Anzeichen einer Harnstauung und vielleicht schon deren Ursache finden. 

Behandlung und Dauer einer Nierenbeckenentzündung

Eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) wird mit Antibiotika behandelt. Wenn die Ergebnisse der Urinanalyse vorliegen, ist eine auf den Erreger der bakteriellen Infektion des Nierenbeckens abgestimmte Behandlung möglich. In der Regel erfolgt die Einnahmezeit des Antibiotikums über 10 Tage und sollte strikt eingehalten werden. So wird die Gefahr einer wiederkommenden Entzündung reduziert. Bei einer schweren oder chronischen Nierenbeckenentzündung mit Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufinstabilität, sowie bei schwangeren Frauen kann der Arzt auch eine Behandlung anordnen, wo die Medikamente auch über Infusionen verabreicht und eventuell auftretende Komplikationen schnell behandelt werden können.

Bettruhe ist einzuhalten und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (mind. 2 Liter, sofern nicht anders verordnet) helfen den Nieren, sich zu regenerieren und die Krankheitserreger auszuschwemmen. Sollte das Fieber bei einer Nierenbeckenentzündung trotz Antibiotikagabe nicht sinken, kann der Arzt fiebersenkende Mittel (Antipyretika) verschreiben. Die Art und Dauer der Behandlung richten sich nach der Ausprägung der Infektion. Sowohl bei einer akuten als auch bei einer chronischen Pyelonephritis sind regelmäßige ärztliche Kontrollen erforderlich. Besonders beim chronischen Krankheitsverlauf ist die Definition und Beseitigung der Ursache wichtig, um Folgeschäden der Niere oder Komplikationen zu verhindern.

Selbsttherapie bei einer Infektion des Nierenbeckens?
Beim Verdacht auf eine Erkrankung im Nierenbereich ist immer ärztlicher Rat einzuholen. Grundsätzlich sind bei einer akuten Nierenbeckenentzündung Bettruhe, Wärme, reichliche Flüssigkeitszufuhr und eine eiweißarme und leichte Kost empfehlenswert, ersetzen aber nicht die Antibiotikatherapie. Arzneitees, die zur Durchspülung oder Desinfizierung der Harnwege eingesetzt werden, können als unterstützende Maßnahme getrunken werden. Alle selbsttherapeutischen Anwendungen sollten zur Sicherheit immer in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen, da eine unzureichend behandelte Nierenbeckenentzündung mitunter ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann.

Komplikationen und Folgeerkrankungen einer Nierenbeckenentzündung

Je länger man mit der Behandlung einer Nierenbeckenentzündung wartet, desto höher ist das Risiko für eine Nierenschädigung oder (chronischen) Folgeerkrankungen der Niere. Zu den Komplikationen einer akuten Nierenbeckenentzündung zählen die Entwicklung von Abszessen in oder neben der Niere, sowie das Ausschwemmen der Bakterien in die Blutbahn (Urosepsis) – letzteres mit lebensgefährlichen Folgen. Eine unzureichend behandelte Entzündung der Nierenbecken kann auch chronisch werden. In diesem Fall kommt es zu keiner vollständigen Abheilung der Erkrankung. Von einem chronischen Krankheitsverlauf sprechen Ärzte, wenn Nierenbeckenentzündungen dann häufig (mindestens dreimal pro Jahr oder mindestens zweimal pro Halbjahr) auftreten. Dies kann zu bleibenden Schäden der Nieren und zunehmender Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) führen.

Maßnahmen zur Prävention einer Nierenbeckenentzündung

  • Damit die Harnwege durchgespült und eventuelle Keime mit dem Urin ausgeschieden werden können, empfiehlt es sich, mindestens zwei Liter Flüssigkeit (am besten Wasser oder ungesüßte Tees) über den Tag verteilt zu trinken. Vorsicht ist jedoch bei bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor allem bei einer Herzschwäche, geboten. Hier sollte man die täglichen Trinkmengen idealerweise mit dem behandelnden Arzt abstimmen.
  • Gezielte Hygienemaßnahmen können die Gefahr für Harnwegsinfekte reduzieren. Frauen sollten die Genitalregion nach dem Stuhlgang von der Scheide aus in Richtung After reinigen. Eine übertriebene Genitalhygiene mit speziellen kosmetischen Mitteln ist jedoch nicht sinnvoll, da viele Hygieneartikel das Schleimhautmilieu im Scheidenbereich ungünstig beeinflussen können.
  • Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr kann das Risiko einer Infektion ebenfalls verringern, da so eventuelle Keime aus der Genitalregion ausgeschieden werden.
  • Wer an einer Nierenbeckenentzündung erkrankt war, sollte zudem regelmäßige Kontrollen beim Urologen durchführen lassen, um zu prüfen, ob die Entzündung abgeheilt ist und keine Schäden an den Nieren hinterlassen hat.

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Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.